Wie Hotels mit Sternen tricksen

Der wohlverdiente Urlaub ist da, die Vorfreude riesig und die langersehnte Entspannung wird durch ein versifftes Hotel ruiniert – und das obwohl die Unterkunft mit den offiziellen Sternen des DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) ausgezeichnet ist.

Leider sind Schimmel auf Badezimmerkacheln, Haare von vorherigen Gästen und schmutzige Bettwäsche jedoch in angeblichen Sterne-Hotels kein Einzelfall. Die ZDF-Doku „Zoom“ (Mittwoch, 22.55 Uhr) deckte auf, wie mit den Sternen geschummelt wird.


Das Verfahren

Der Branchenverband steht schon länger in der Kritik, es mit den Klassifizierungen nicht allzu genau zu nehmen.

Insgesamt sind in Deutschland 8700 Hotels vom DEHOGA zertifiziert. Um die Sterne erhalten zu können, muss das Hotel Mitglied im Verband sein, also Beiträge zahlen. Für die Auszeichnung der Sterne muss extra bezahlt werden.

Die einzelnen Kategorien richten sich einzig nach der Ausstattung. Kritiker bemängeln, dass die Kriterien sehr schwammig gehalten seien.

So ist es Vorgabe für eine Drei-Sterne-Zertifizierung, dass die Möbel nicht verschlissen seien. Was ‚verschlissen’ bedeutet, ist jedoch nicht definiert.

Verliehen werden die Sterne immer für drei Jahre durch einen DEHOGA-Hotelier. Dieser bestimmt zusammen mit einem örtlichen Tourismusbeauftragten, ob sein Verbandskollege mit seiner Unterkunft die Sterneklasse erreicht.

Für Martin Linne, ehemaliger Professor für Tourismus, ein Unding. Da sich der Prüfer und der zu überprüfende Hotelier meist gut kennen, sei das ganze mehr ein „Club unter sich“ als ein transparentes Verfahren.

Der Test: Kann man den Sternen noch trauen?

Das „ZDFZoom“-Team machte den Test in Berlin und Hamburg, den beliebtesten Reisezielen Deutschlands. Das Ergebnis: Schockierend!

► Pfuschmethode eins: Dubiose Sternevergabe im DEHOGA-Verband

In beiden Großstädten wurden Drei-Sterne-Hotels unter die Lupe genommen, die laut DEHOGA alle das Kriterium der „Comfort-Unterkunft“, d.h. mindestens Drei-Sterne, erfüllen.

Doch ein Blick ins Zimmer zeigte, wie willkürlich dieses Kriterium ausgelegt wird. Eine Unterkunft in Berlin glich einem Schuhkarton, war zwölf Quadratmeter groß, Kletterkünste waren gefragt, um überhaupt ins Bett zu gelangen.

Laut Linne, ist das noch alles im Rahmen der DEHOGA-Kriterien. Der Verband schreibt nämlich keine Mindestgröße für Hotelzimmer vor.

In Hamburg checkten die Reporter in einem Hotel ein, in dem sich die Toilette und Dusche auf dem Flur befinden. Das Hotelzimmer war zwar sauber, aber nach den DEHOGA-Vorgaben muss ein Drei-Sterne-Zimmer mit einem zimmereigenen Bad ausgestattet sein. Wie kann das sein?

Ein Verbandsmitglied gab Einblicke, wie es zu so etwas kommen kann. Bei den ausschlaggebenden Kontrollen werde grundsätzlich gepfuscht.

So zeige man normalerweise nur die frisch renovierten Zimmer. Andere Zimmer, die die Auflagen nicht erfüllten, würden bewusst nicht präsentiert – mit Ausreden wie „Das Zimmer ist belegt“ oder „wird renoviert“.

Deshalb ist für den Branchenkenner klar: „Es gibt keine objektiven Kontrollen. Man kennt sich und hilft sich im Verein. Da wird man schon mal auf eine Sterneklasse hochgehievt.“

► Pfuschmethode zwei: Selbstverliehene Sterne

Noch eine Spur dreister handhaben es einige unabhängige Hotels, die nicht im Branchenverband organisiert sind. Sie schmücken sich mit den offiziellen Sternen auf der eigenen Webseite, machen Gästen glaubhaft das Hotel erfülle die offiziellen Vorgaben.

Die Doku zeigte beispielsweise ein angebliches Drei-Sterne-Hotelzimmer in Hamburg, dessen Möbel sperrmüllreif sind. Toilette und Dusche mit widerlichen Körpersekreten übersät. Eine offizielle Sterne-Tafel gab es aber nicht. Aber auch das ist keine Seltenheit.

Laut ZDF werben 25 Prozent aller Hotels in den deutschen Großstädten mit Sternen, die ihnen nicht verliehen wurden. Überprüfbar ist dies auf der Internetseite des Verbandes.

Dazu gehören nicht nur kleine Betriebe. Auch große namenhafte Hotelketten wie Accor und Sofitel finden sich unter den Sterne-Sündern.

► Pfuschmethode drei: Abgelaufene Sterne einfach behalten

Alleine in Hamburg schmücken sich 250 Hotels mit Sternen, die längst nicht mehr gültig sind. Das heißt auch, dass sie die allgemeinen, aber ohnehin sehr laschen, Verbandsvorgaben vielleicht gar nicht mehr erfüllen.

Eigentlich ist der Verband gefragt gegen diese unlauteren Methoden vorzugehen.

Rechtlich gesehen ist es in Deutschland nämlich untersagt, als Hotelier Sterne selbst zu verleihen, da Kunden so absichtlich getäuscht würden.

Doch laut einem weiteren Brancheninsider hat der Branchenverband dazu nicht die finanziellen Mittel. Sowohl in Hamburg und Berlin gebe es je nur einen Mitarbeiter, der sich um die mehr als 300 DEHOGA-Hotels kümmere. Kontrollen könnten dort nur selten durchgeführt werden.

Das Ergebnis

Mangelnde Kontrolle und zu lose Vorgaben machten das System kaputt, befand Branchenexperte Linne.

Ein anonymer Verbandshotelier formulierte es noch deutlicher: „Die DEHOGA kann man aus Gästesicht komplett vergessen. Die Sterne machen nur noch für Hotels Sinn, weil sie ein Marketinginstrument sind.“

Linne empfahl deshalb, sich auf Internetportale mit verifizierten Gästebewertungen zu verlassen.

Quelle: ZDf und Bild